Lyon

Ly|on [li̯õ: ]:
Stadt in Frankreich.

* * *

I
Lyon
 
[ljɔ̃], Hauptstadt der Region Rhône-Alpes, Südostfrankreich, am Zusammenfluss von Rhône und Saône, 169 m über dem Meeresspiegel, im Stadtgebiet 415 000 Einwohner. - Der Ballungsraum Lyon ist mit 1,26 Mio. Einwohnern der zweitgrößte des Landes sowie zweitgrößtes Wirtschafts- und Kulturzentrum Frankreichs. Als Regionshauptstadt und Verwaltungssitz des Départements Rhône hat Lyon zahlreiche Behörden; Sitz eines katholischen Erzbischofs; drei Universitäten (gegründet 1808, 1970, 1973), katholische Universitäts-Institut (1875), Akademie der Wissenschaft, Literatur und Kunst, Hochschulen für Chemie, Kernphysik, Handel, Textilkunde, Kunst, Tiermedizin u. a., Ingenieurschule, Sitz des internationalen Krebsforschungszentrums, Goethe-Institut, Observatorium. Stadtbibliothek mit 600 000 Bänden, 1 000 Wiegendrucken und 5 000 Handschriften (darunter die Bibelhandschrift »Codex Lugdunensis«). Zahlreiche Museen, u. a. für Kunst, Geschichte, Naturkunde (Musée Guimet), Marionetten, Automobile und Textilien (Musée Historique des Tissus; europäische und orientalische Webarbeiten). Lyon hat eine Oper und mehrere Theater.
 
Ihre Bedeutung als Wirtschafts- und Handelszentrum (Börse, gegründet 1546; Fachmessen) verdankt die Stadt in erster Linie ihrer günstigen Lage am Schnittpunkt wichtiger Verkehrslinien. Seit dem 15. Jahrhundert war Lyon der Hauptsitz der Seidenweberei in Frankreich. Auch heute gibt es in Lyon noch Spezialbetriebe der Seidenweberei. Das Schwergewicht der Erzeugung hat sich jedoch auf die Herstellung und Verarbeitung von Chemiefasern verlagert. Die Bedeutung Lyons für den Textilhandel ist geblieben. Daneben sind vielfältige andere Wirtschaftszweige entstanden, besonders Metall- und Bauindustrie, Lokomotiv- und Kraftfahrzeugbau, ferner chemische und pharmazeutische, Elektro- und elektronische, Konservenindustrie und Aluminiumwerke. Der Groß- und Zwischenhandel hat eine Stütze in der Lyoner Messe, die schon seit dem Anfang des 15. Jahrhunderts bedeutend ist und in ihrer heutigen Form seit 1916 besteht (1.-15. 3.). Lyon ist ein wichtiger Bankenplatz. Etwa zwei Drittel aller Erwerbstätigen sind im Handel und im Dienstleistungsgewerbe beschäftigt. Zu den zahlreichen Industrievororten um Lyon traten neue Satellitenstädte wie Méximieux, L'Isle d'Abeau und Bourgoin; hierzu zählt auch die neue Industriezone von Feyzin (Erdölraffinerie, petrochemische Industrie, Kraftwerk). U-Bahn; internationaler Flughafen Saint-Exupéry (neuer TGV-Flughafenbahnhof von S. Calatrava); Binnenhafen.
 
 
Ältester Siedlungskern ist der Stadtteil Fourvière, das römische Forum vẹtus (mit zwei römischen Theatern; Archäologisches Museum am Ausgrabungsgelände), am rechten Saôneufer, mit winkligen Straßen, mittelalterlichen Häusern und Bauwerken: Kathedrale Saint-Jean (12.-15. Jahrhundert, mit spätgotischer Fassade, Glasfenstern des 13. Jahrhunderts und astronomische Uhr, 1598), Manécanterie (Chorknabenschule, zum Teil 12. Jahrhundert), Kirche Saint-Paul (12. Jahrhundert); ferner Renaissancehäuser und klassizistischer Justizpalast (1832-42). Auf dem Mont Fourvière die Wallfahrtskirche Notre-Dame de Fourvière (1872-96); daneben eine Wallfahrtskapelle des 18. Jahrhunderts. Auf der Halbinsel zwischen Saône und Rhône liegen u. a. im nördlichen Teil an der Place des Terreaux das Rathaus (Hôtel de Ville, 1646-72, nach Brand 1700 wieder aufgebaut; mit Glockenturm) und das Palais Saint-Pierre (ehemaliges Benediktinerkloster des 17. Jahrhunderts) mit dem Musée des Beaux-Arts; ferner die Kirchen Saint-Nizier (15./16. Jahrhundert) und Saint-Bonaventure (14./15. Jahrhundert), die Börse (1855-60) und das Hôtel-Dieu (1741 begonnen von J.-G. Soufflot; mit Museum). Die Place Bellecour (17. Jahrhundert) in der Mitte der Halbinsel ist Zentrum der Stadt; südlich davon die älteste Kirche Lyons, Saint-Martin d'Ainay (1107 geweiht; auf eine Basilika des 6. Jahrhunderts zurückgehend; im Chor Mosaikfußboden des 12. Jahrhunderts). Einen wichtigen Beitrag zur Stadtgestaltung lieferte zu Beginn des 20. Jahrhunderts T. Garnier. Zahlreiche moderne Kirchenbauten, Verwaltungsgebäude (Tour de Crédit Lyonnais, 1972-77, A. Cossuta u. a.) und Museen (Musée de la Civilisation Gallo-Romaine, 1972-75, B. Zehrfuss) prägen das Stadtbild. Neues Wahrzeichen von Lyon ist die nach Umbau durch J. Nouvel 1993 neu eröffnete Oper (»Opéra Nouvel«); von dem ursprünglichen Bau (1831) wurden nur die Außenmauern bewahrt. Als Stadteingang im Nordosten, zwischen Rhône und Tête-d'Or-Stadtpark, projektierte R. Piano die »Cité Internationale« mit Kongresszentrum, Hotels, Büros, Kinokomplex und dem neuen Museum für zeitgenössische Kunst (1996 eingeweiht). Interessant sind auch neue Platzgestaltungen, besonders der Place des Terraux durch D. Buren. Die von den Lyoner Architekten Ballandras und Mirabaud errichtete Moschee (1994 eröffnet) zählt zu den größten Westeuropas.
 
 
Lyon, lateinisch Lugdunum (Lugudunum), 43 v. Chr. von den Römern an der Stelle zweier keltischer Siedlungen (die älteste lag auf dem Mont Fourvière) als Kolonie gegründet, wurde unter Augustus Hauptstadt der Provinz Gallia Lugdunensis und entwickelte sich zum politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Mittelpunkt der »tres Galliae« (Gallien). Eine christliche Gemeinde ist seit 177 bezeugt (Verfolgung durch Kaiser Mark Aurel), bald darauf ein Bischof, später Erzbischof, der Primas von Gallien wurde. Im 5. Jahrhundert kam Lyon unter die Herrschaft der Burgunder, im 6. Jahrhundert unter die der Franken. Durch den Vertrag von Verdun (843) wurde die Stadt Teil des Mittelreiches Lothars I., später des Königreichs Burgund, mit dem sie 1032/34 an das Heilige Römische Reich fiel. Seit dem 9. Jahrhundert war Lyon Mittelpunkt einer Grafschaft (Lyonnais), die seit dem 12. Jahrhundert von den Erzbischöfen von Lyon beherrscht wurde, 1307 fiel es an die französische Krone und erhielt 1320 volles Stadtrecht. Ein schneller wirtschaftlicher Aufschwung setzte ein. Lyon wurde zu einem Zentrum des Bankwesens, der Tuchverarbeitung und der Seidenweberei, die Ludwig XI. 1466 mithilfe von Italienern einführte, und war im Spätmittelalter einer der wichtigsten Messeplätze Europas. Die missglückte Erhebung gegen die Jakobiner 1793 endete mit Massenhinrichtungen und Zerstörung großer Teile der Stadt.
 
 
R. Lebeau: Atlas et géographie de la région lyonnaise (Paris 1977);
 I. Köhler: L. (1982);
 
Histoire de L. et du Lyonnais, hg. v. A. Latreille (Toulouse 31988).
 
II
Lyon,
 
Konzile von [-ljɔ̃], zwei in Lyon abgehaltene Konzile; nach der Zählung der katholischen Kirche das 13. und 14. ökumenische Konzil.
 
Das 1. Konzil von Lyon (1245) wurde von etwa hundert, v. a. französischen und spanischen Bischöfen besucht. Themen waren u. a. der Verlust Jerusalems, der Mongoleneinfall und die Bedrängnis des Lateinischen Kaiserreichs; innerkirchlich wurden die Kreuzzugsbestimmungen des 4. Laterankonzils bekräftigt und Dekrete über das kirchliche Prozessrecht, die kirchliche Verwaltung und die Befugnisse der päpstlichen Legaten erlassen. Im Mittelpunkt stand jedoch der Konflikt zwischen Papst Innozenz IV. und Kaiser Friedrich II., der in Abwesenheit durch das Konzil für abgesetzt erklärt wurde.
 
Am 2. Konzil von Lyon (1274) nahmen neben rd. 300 kirchlichen Würdenträgern auch Gesandte des Mongolenkhans Abaka (✝ 1282) und des byzantinischen Kaisers Michael VIII. Palaiologus teil. Zentrale Themen waren die Union mit den Griechen, die finanzielle Vorbereitung eines Kreuzzugs und Maßnahmen zur Kirchenreform. Es kam zu einer Unionsvereinbarung mit den Byzantinern, in der diese das Filioque, den päpstlichen Primat, die Lehre vom Fegefeuer und die Siebenzahl der Sakramente anerkannten. Die Union hatte jedoch keinen Bestand.
 
 
H. Wolter u. H. Holstein: Lyon I, Lyon II (a. d. Frz., 1972);
 B. Roberg: Das Zweite Konzil von Lyon 1274 (1990).
 

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Ly|on [li̯õ:]: Stadt in Frankreich.

Universal-Lexikon. 2012.

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